Jürgen  Grieger

Bildhauer  µ  Maler  µ  Performer

Erläuterungsbericht

 

 
Projekt ‚GENIUS LOCI’

‚Schild 1-25’ — ‚skilt 1-25’

 

Ausgangspunkt

Ausgangspunkt ist die Insel ‚Helgøa’ bei Kristiansand. Die Insel ist von ihrer natürlichen Erscheinung eine typische Insel dieser Gegend. In ihrem kultur-historischen Erbe fallen drei Prägungen besonders auf:

1. Die beiden St. Olafs-Steinkegel

2. Die Initialen der norwegischen Könige

3. Das Küstenfort der deutschen Besatzung von 1942

Diese drei Aspekte prägen für mein Verständnis die gegenwärtige Insel Helgøa in unterschiedlicher Art und Weise. Sie sind für meine Installation ‚Schild 1-25’ bzw. ‚skilt 1-25’ von Bedeutung und Wichtigkeit. Im Mittelpunkt steht für mich die Präsenz und Ausstrahlung der massiven Eingriffe durch die deutsche Besatzung. Hier möchte ich reagieren und versuchen mit der Installation eine neue gesamt-flächige Berührung der Insel zu erreichen.

 

Idee und Ziel

Ziel ist mit der Installation ‚Schild 1-25’ — ‚skilt 1-25’ ein neues Netz historischer Erfahrung über die Insel zu legen. Dafür werden an 25 Stellen schildartige Stelen verankert, die am oberen Abschluß eine drehbare, spiegelnde Edelstahlplatte besitzen.-

Die grundlegende Gebärde des Küstenfort war die des Tarnens, Versteckens, Unsichtbarmachens, Anonymisierens, Angleichens bei gleichzeitiger Geste des möglichst Gutsehen, der Übersicht.

 

Meine Installation wandelt dies um in Erhellen,Beleuchten und Reflektieren, Nach-Denken.

• In der Spiegelung kann sich einerseits das reflektierte Sonnenlicht und der Schatten des Objektes auf die Insel und deren Umraum legen. Dieses Licht-Schatten-Band wandert im Tageslauf über Teile der Insel und beleuchtet, erhellt diese. (Bild: ‚Licht in eine Sache bringen’, befragen, genau hinsehen).

• Anderseits ist durch die Spiegelung die Möglichkeit gegeben, auf indirektem Wege etwas anzuschauen. Etwas, das nicht im gewöhnlichen Blickfeld liegt, das hinter einem Betrachter liegt, wird einsehbar. Die Reflexion als Bild der historischen Reflexion des Ortes Helgøa: Erinnerung, Gedenken, Verstehen und daraus möglicherweise Handeln für die Gegenwart. Der Mensch kann einen Standpunkt, einen Ort, eine (innere) Haltung einnehmen, und sich bestimmten Erinnerungs- und Gedankenbildern stellen und sie nach seinem Willen und Möglichkeiten ausleuchten. Das kann sich sowohl äußerlich an den Schild-Objekten als auch innerlich im Erkenntnis-Prozess gestalten.

 

Schild bedeutet das Schild im Sinne von Hinweisschild, als auch der Schild im Sinne von Abwehr- oder auch Reflexionsschild. Beiden ist gemeinsam, dass sie Fläche entgegenhalten und eine Aussage bzw. eine Geste vermittelt wird. Aussage und Geste vermittelt sich bei meiner Installation durch die Textfreiheit der Objekte und deren Spiegelfähigkeit. Beide Aspekte führen zu einer Hinterfragung der Objekte und zu einer Möglichkeit zur Präsenz der historischen Wirklichkeiten der Insel Helgøa.

Der Zugang zu den historischen Schichten ist individuell und durch die Drehbarkeit der Objekte ist eine interaktive Handhabung möglich.

 

Wichtig ist die Ausrichtung der spiegelnden Flächen vor Ort auf der Insel. Dies erfolgt innerhalb der beiden Arbeitswochen in Norwegen.

In diesen Zeitraum erfolgt auch die intensive Kommunikation mit den anderen am Projekt GENIUS LOCI teilnehmenden Künstlern.

 

Praktische Realisation (siehe auch Skizze der schematischen Darstellung)

Die Objekte sind grundsätzlich baugleich. jedoch wird der Neigungswinkel der einzelnen Objekte unterschiedlich sein. Es werden sowohl Einzelspiegel aufgestellt, als auch Gruppen von bis zu drei Objekten ein einem Ort (Interaktion!).

Die Spiegelflächen werden aus wetterfestem und salzbeständigem Edelstahl (V4A) gebaut; die Pfosten aus verzinktem Stahlrohr.

Die Drehbarkeit erfolgt durch eine nicht trennbare Lagerung am oberen Ende.

Die Teile werden in meinem Atelier vorgefertigt und nach Norwegen transportiert.

Die Verankerung erfolgt im Fels in einer Bohrung.